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Meetin' Ilka Minor
Die Dakar-Rallye. Check ...
Sie hat ihren Piloten zum 11. Platz bei der Rallye Dakar 2017 gelotst. Ilka Minor im Gespräch zu haben, ist spannend. Und ziemlich lustig. Im positivsten Sinn.
02.02.2017
Die Szene war war fast schon ein bissl surreal. Da nimmt eine Frau an der sicher härtesten Rallye der Welt teil, erreicht als Co-Pilotin bei der legendären "Dakar" den gleich ersten Platz hinter den millionenschweren Werks-Teams. Durchquert Argentinien, Bolivien und Paraguay in atemberaubender Geschwindigkeit auf einer fast 9.000 Kilometer langen und ziemlich brutalen Strecke. Lotst ihren tschechischen Fahrer Martin Prokop in allen Etappen zielgerichtet ins: Genau, Ziel. Darf zum Schluss vor tausenden Zuschauern auf dem Podium jubelnd ihre Medaille präsentieren.

Und dann sitzt mir genau diese Frau - Ilka Minor - im 10. Hieb (für Nicht-Wiener: im zehnten Gemeindebezirk der Bundeshauptstadt Wien) gegenüber. In der Konditorei Groissböck, Ecke Neilreichgasse/Raxstraße. Trinkt zwischen überraschend vielen anwesenden, melange-trinkenden Pensionisten ihren Espresso, dazu ein Soda-Zitron. Plaudert hier im Grätzl über ihr großes Abenteuer, als wäre sie nie weg gewesen. Die Dakar liegt knapp 3 Wochen zurück. Inzwischen ist sie längst in ihren Job als Personal Fitness Trainerin zurückgekehrt.

Wir lachen wegen einiger meiner vorbereiteten und - zugegeben - etwas gespreizten Fragen für's Interview fast Tränen: "Wie wichtig ist die Ernährung bei einer derartigen Herausforderung", frage ich sie. Sie: Lacht. "Wir haben vor jeder Etappe ganz normal gefrühstückt, während der Etappe gab's nur Power-Riegel. Am Abend hat unser tschechisches Catering gekocht. Typisch tschechisch. Viel Fleisch halt. Schweinsbraten. Knödel. Das braucht man dann nach so einem Tag".

"Gab's Mental-Training als Vorbereitung oder während der Rallye?". Ilka lacht schon wieder. Nein, so etwas brauche sie nicht: Andere vielleicht. Sie helfe sich selbst, bei Bedarf. Sie habe nur einen Job zu erledigen gehabt.

Wie es denn so sei, in dieser Männer-Domäne "Langstreckenrallye", frage ich. Sie mache nur ihren Job, sagt sie. Für Außenstehende gebe es wohl diesen Wow-Effekt: Weibliche Beifahrerin und Navigatorin und männlicher Fahrer. Wow. Im Rallye-Tross spiele das keine Rolle. Da plaudere der legendäre Beifahrer Jean Paul Cottret des noch viel legendäreren Multi-Dakar-Gewinners Stephane Peterhansel mit den anderen Co-Beifahrer-Stars ebenso wie mit ihr. Auf Augenhöhe. Weil sie alle an diesem Abenteuer teilnehmen. Völlig wurscht, ob Weiblein oder Männlein. Und dann feiern sie alle miteinander Silvester. Denn der findet gerade während der Dakar statt...

Die Rallye Dakar ist nach der Formel 1 das größte Motorsport-Event unseres Planeten. Die unglaublich entspannte und geerdete Ilka Minor hat an diesem Monster-Event teilgenommmen. Hat mit ihrem Fahrer Martin Prokop einen eigentlich unfassbaren 11. Platz belegt. Kein anderes Semi- oder Ganz-Amateur-Team war zum Schluss besser klassiert.

Ilka Minor ist in der Rallye-Szene keine Unbekannte, im Gegenteil. Sie fuhr schon mit Manfred Stohl, mit Henning Solberg. Bisher nur bei den klassischen WRC-Rallyes. Der Start bei der Dakar war ihre Premiere bei Langstrecken-Rallyes.

Mein Interview mit ihr - da ging's um ihre Erlebnisse bei der Dakar, ihren Eindrücken, um ihre Herangehensweise - kommt in den nächsten Tagen hier bei GELAENDEWAGEN.AT. Wobei: Sie hat das alles eh ziemlich gelassen genommen. Dort, in Bolivien, Paraguay und Argentinien. Die Pensionisten an den Nebentischen in der Konditorei in der Neilreichgasse haben zum Schluss auch schon recht aufmerksam zugehört. Schon ein bissl beeindruckt, glaube ich.

Jedenfalls war es eines der coolsten, entspanntesten, spannendsten und lustigsten Interviews ever. Ganz auf dem Boden geblieben, die Interview-Partnerin, halt.

Das Interview selbst: Gibt es hier.

Text: Michael Kubicek, GELAENDEWAGEN.AT

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