Testberichte

Downsizing à la Jeep

Wrangler: 4 Zylinder, 2 Liter

Marmor, Stein und Eisen, quasi: In den spektakulären Marmorsteinbrüchen im Garda-Land haben wir den Jeep Wrangler mit seinem neuen 4-Zylinder-Motor getestet.
03.09.2019
Die zentralen Fragen - die wir schon für den diesjährigen „Allradkatalog“ beantwortet haben - war: Geht das? Ein Wrangler mit Vierzylinder-Motor und gerade einmal 2 Litern Hubraum? Brutto für netto? Auf der Landstraße? Auf der Autobahn? Und speziell: Im Gelände?

Jeep Wrangler mit 4-Zylinder-Benzinmotor

Das galt’s zu erkunden. Mutterkonzern FCA hatte ins Heimatland zur Degustation geladen. Konkret an den Gardasee plus Umland plus spektakulärer Marmorsteinbrüche. Und bemühte sich, der anwesenden internationalen Presse sämtliche solche oder ähnliche Fragen mit „Ja, natürlich!“ zu beantworten. Schließlich verspürt der Konzern – wie jeder andere auch - einen nicht unbedeutenden Druck, mit schlankeren Motoren die Vorgaben hinsichtlich Flottenemissionen und Abgasnormen zu erfüllen.

Jeep Wrangler mit 4-Zylinder-Benzinmotor

WLTP macht’s nötig

Der strenge Emissionstest „WLTP“ hat den deutlich toleranteren „NEFZ“ ersetzt. Das heißt, dass sämtliche Automobilhersteller beim Verbrauch ihrer Fahrzeugflotte den Sparstift anwenden müssen, um nicht massive Strafzahlungen zu riskieren.

Jeep, traditioneller Geländewagen- und SUV-Produzent, kommt daran auch nicht vorbei. Also hat der Konzern nicht nur für den Wrangler, sondern auch den Renegade und den Cherokee neue – durchaus ungewöhnliche, aber auch respektabel leistungsfähige – Aggregate entwickelt. Für den Renegade debütieren neue Drei- und Vierzylindermotoren mit 1,0 bzw. 1,3 Liter kleinen Brennräumen, für Wrangler und Cherokee gegenständlicher, zu testender Vierzylinder. Und um die Antwort vorwegzunehmen: Ja, natürlich geht das. So antworteten wir damals im Allradkatalog und wiederholen dies hiermit und hier auch in unserem Stamm-Medium.

Ja, das geht. Nicht, weil uns die anwesende FCA-Mann- und Frauschaft das zu indoktrinieren versuchte, sondern weil wir es erfahren durften. Maskuline Arbeitsgeräusche werden eingefleischte Jeepisti möglicherweise vermissen, dazu dreht der kleine Benziner bei Bedarf - also speziell im Gelände – auch bis in lichte Höhen. Diesel-Bass und geerdete Selbstzünder-Drehzahlen vergisst man allerdings recht flott, wenn man die Kraft des neuen Otto spürt: Der liefert nämlich laut Herstellerangaben mehr als standesgemäße 272 PS und damit um 72 mehr als der Diesel. Drehmomentmäßig schaut’s natürlich ein bisschen anders aus, aber 400 Newtonmeter sind – im Vergleich zu 450 beim Diesel – aber auch gar nicht schlecht.

Jeep Wrangler mit 4-Zylinder-Benzinmotor

Verstärkt wird der positive Eindruck des neuen Benzinmotors auch dank seines wichtigsten Erfüllungsgehilfen: Denn die neue, 8-Gang-Wandlerautomatik macht einen fantastischen Job, in Kombination mit Untersetzung und Offroad-Assistenz-Programmen werden die Leistungsunterschiede zwischen Diesel und Benziner noch weniger spürbar, als man vermutet hätte.

Dennoch Präferenzen für drehmomentstarke Selbstzünder? Wegen des Klanges, des Drehmoments? Last not least wegen des Verbrauches? Auch wenn dies als (aber nur scheinbarer) Widerspruch zu oben genannten Motiven Jeeps für die Einführung des neuen Benziners genannt werden könnte? Dann: Keine Sorge. Denn den Wrangler wird es in Zukunft alternativ auch mit dem Dieselmotor geben.



Jeep Wrangler mit 4-Zylinder-Benzinmotor

Bleibt nur die - abschließende - Frage, für welches Aggregat sich die Kundschaft hauptsächlich entscheiden wird. Die FCA-Leute sind sich hier uneins. Wir haben auch diese Frage schon für den Allradkatalog zu beantworten versucht, hier sei sie wiederholt: Für den Diesel. Im Verhältnis achtzig zu zwanzig, haben wir geschätzt. Einen Versuch – oder zumindest eine Probefahrt – wäre ist neue 272psige Benziner aber allemal wert.

Fotos und Text: GELAENDEWAGEN.AT


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