GELAENDEWAGEN.AT Blog
Porsche auf Eis
Oder: Wie ich lernte, den Röhrl zu lieben
Unterwegs mit Porsche und Walter Röhrl himself auf eisigem Terrain.
12.02.2018
Ich habe Schnupfen. Wie cool. Weil - Walter Röhrl himself hat mich angesteckt. Ich steige wieder in den Cayenne. Mein Hirn scheint nach gefühlten drei Millionen Drifts in den letzten drei Stunden in meinem Kopf noch nachzupendeln. Das fühlt sich schwer nach Seekrankheit an. Eigentlich: Landkrankheit.

Jetzt geht es nach dem ersten Halbtag mit Porsche beim Winterfahrtraining im salzburgischen Thomatal (bei Reini Sampls www.winterfahrtraining.at) zum Mittagessen. Drei Kilometer auf - endlich! - denke ich mir - wieder griffigem Asphalt zum "Gasthof Post".

Neben meinem Auto steht ein hagerer, großgewachsener Mann. Ich lasse die Scheibe runter und frage ihn: "Taxi gewünscht?". Der Hagere nickt wortlos, umschifft - auf dem Eis dahinrutschend - den Vorbau des Cayennes, öffnet die Tür und lässt sich in den Beifahrersitz fallen.

Krank ist er, mein 70-jähriger Beifahrer, die Influenza hat ihn gröbstens erwischt. Trotzdem hat er es sich nicht nehmen lassen, zum 25-jährigen Jubiläum seiner Zusammenarbeit mit Porsche hier ins Thomatal zu kommen. Walter Röhrl himself sitzt hier neben mir. Ich fahre in fahrschulgelernter "Zehn-vor-Zwei"-Haltung der Hände am Lenkrad Richtung Gasthof und gebe dem Cayenne auf den drei Kilometern dennoch ein bissl Stoff, um den Altmeister glücklich zu stimmen. Ihm: Ist's egal, glaube ich.

In der "Post" angekommen, bestellt er sich zur Fritattensuppe Kräutertee. Sein legendärer "Schmäh" (Zitate: "Gute Fahrer haben die Fliegenreste auf den Seitenscheiben" oder "im Rallyesport wurde meine Vermutung bestätigt, dass ein Auto mit zwei angetriebenen Rädern nur eine Notlösung ist") hält sich heute in Grenzen, influenzabedingt.

Während meine drei Millionen Drifts in Cayenne, Macan, Panamera, 911 und (ich gestehe, heckgetriebenen, wie genial!) Cayman GTS hat er mich beobachtet. Und über Funk gemeldet: "Der Drift war jetzt gut, aber...". Und dann kamen auto-philosophische Statements, die ich - vielleicht in einer meiner nächsten Leben - irgendwann kapieren werde. Vielleicht. Oder: Hoffe ich zumindest.

Während der zwei Runden auf dem unfassbar genialen Kurs im Thomatal, auf denen mich Sir Walter Röhrl auf dem Beifahrersitz begleitete und instruierte, war ich einfach besch..... schlecht. Eh klar, mit DIESEM Beifahrer. Vergleichbar mit einem dummen Philosophie-Studenten bei einer Prüfung bei Herrn Kant oder Schopenhauer. Lampenfieber, Master and Servant und so. Frustriert war ich danach trotzdem ein bissl. Herr Röhrl nahm meine Fehler gelassen, seufzte einmal sanft. Und hüstelte. Es war micht mein Tag. Seiner aber auch nicht.

Im Gasthof Post, zwischen Fritattensuppe und Kräutertee - eigentlich währenddessen - fragte ich ihn: Wie fährt der Walter Röhrl so auf öffentlichen Straßen? Gesittet? Oder schnell? Er: Schneuzte sich. Sagte, sinngemäß: Weißt, mit einem 911er Turbo kann man auf der Landstraße nicht 100 fahren. 140 eigentlich auch nicht. Da glaubt man, man steht. Ich fragte nicht weiter. Er: Schwieg. Wir: Löffelten unsere Süppchen.

Der Nachmittag. Weitere drei Stunden Driften mit Cayenne, Macan, Panamera, 911 und Cayman. Weitere drei Stunden auf See, mit anschließender nachpendelnder Wirkung. Sir Röhrl saß geduldig in seinem unpackbaren, taubengrauen 911er-Turbo neben der Strecke und dozierte über Funk. Meine Endnote: Irgendwo zwischen "Befriedigend" und "Genügend", Eigeninterpretation.

Jetzt, wieder nach Hause zurückkehrt, bin ich nicht mehr landkrank. Aber ich habe Schnupfen. Männerschnupfen, bekanntlich sehr dramatisch im Krankheitsverlauf. Aber: Egal, sogar cool. Weil - wenn mich jemand fragt - kann ich sagen: Ja, ich bin verkühlt, der Walter Röhrl hat mich angesteckt. Ja, genau - DER Walter Röhrl.

Ach ja: "Der Lange", wie er oft genannt wird, gewann vier Mal die Rallye Monte Carlo. Wurde zweimal Rallye-Weltmeister und hat das legendäre "Pikes Peak"-Rennen im 600 PS starken Audi S1 gewonnen. Und wurde von einer Fach-Jury zum weltbesten Rallye-Fahrer aller Zeiten gekürt.

Zwei Runden war er mein Beifahrer. Ein Stunde lang mein Sitznachbar beim Fritattensüppchenschlürfen. Ich hatte Mineralwasser dazu, keinen Kräutertee.

Fotos: Porsche und GELAENDEWAGEN.AT
Text: GELAENDEWAGEN.AT


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