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Land Rover Discovery 5
Offroad im Berg


Zweite Ausfahrt mit dem Land Rover Discovery 5: Die Location - ein Bergwerk - war ungewöhnlich, aber durchaus passend. Sich unter Tage zu verstecken bräuchte sich der Neue jedenfalls nicht.
17.04.2017
Stellen Sie sich vor: Da lädt ein Automobilhersteller zu einer Fahrzeug-Präsentation in ein - Bergwerk. Die Hirne der anwesenden Journalisten arbeiten schon unter Tage auf Hochtouren: Wie soll die Geschichte für die Leser angelegt werden? Die Ergebnisse waren dann jedenfalls interessant, zum Teil witzig und manchmal auch ein wenig schrullig: Da wurde Reinhard Fendrich mit "Weus'd a Herz host wie a Bergwerk" ebenso zitiert wie Lee Dorsey mit "Workin' in a Coal Mine". Sogar Dantes im Zuge der Göttlichen Komödie angetretene Reise in die Unterwelt fand in die Geschichten der heimischen Auto-Journalisten-Szene ihren Platz.

All die kreative Mühen wegen eines Geländewagens in einem Bergwerk. Aber: Sowohl Location als auch Fahrzeug waren in jedem Fall einzigartig und damit jedes blumige Klischee wert.

Wellen im luxemburgisch-deutschen Grenzgebiet. Sanft-hügeliges Land an der Mosel, von der milden Frühlingssonne beschienen. Was die an den jungen Trieben der Weinstöcke saugenden Rebläuse nicht ahnen: Dutzende Meter unter Ihnen sprengt die Porr AG täglich ziemlich genau eintausendsechshundert Tonnen Dolomit aus dem Berg. Befördert das Gestein dann mit mächtigen Schaufelbaggern ans Tageslicht und liefert es per Schiff und LKW an Kunden, die daraus Baustoffe und Kunstdünger machen. 300 Kilometer Wege finden sich hier bereits. Grund genug für einige Journalisten, in den obligatorischen Helm zu transpirieren. Ihre Taschenlampe laufend auf Funktionstüchtigkeit zu überprüfen. Und ihren Survival-Kit, der im Notfall für 30 Minuten Atemluft sorgen soll, nachhaltig in seiner Funktionstüchtigkeit in Frage zu stellen.

Hier unter Tage wird mit einer derartigen Präzision gesprengt, dass man glaubt, die entstandenen Stollen wären mit feinsten Hämmern und Pickeln bearbeitet worden. Im Schachbrettmuster arbeiten sich die elf (!) Bergarbeiter in den Dolomit.

Und mittendrin in diesem Labyrinth: der neue Land Rover Discovery. Und ich. In ihm. Und im Berg. Das Experience-Team hat - durchaus ein wenig kontraproduktiv - wieder eintausendeinhundert Tonnen Material in den Berg eingebracht und damit einen einzigartigen Offroad-Parcours in die ewige Finsternis des Bergwerkes gebaut.

Gleich neben "Rudis Eck" (Rudi war ein Bergmann, der 35 Jahre hier arbeitete und es nie geschafft hat, allein aus dem Berg zu finden - deshalb hat er heute hier eine nach ihm benannte Kreuzung zweier Sprengtunnel) findet sich eine mächtige Sanddüne, gleich daneben haben die Freunde von Land Rover eine fast 40 Grad steile Holztreppe errichtet. Ums Eck' wurden basketballgroße Steine in den Weg geworfen. Der Discovery - obwohl als "Familien-Van" apostrophiert, nimmt diese Hindernisse mit einer stoischen Ruhe, die ansteckt. Großartig, wie der Wagen trotz seiner Onroad-Optik, seiner schieren Länge (4,97 Meter stehen im Prospekt) hier agiert.

"Der beste Discovery offroad aller Zeiten" hatte man uns angekündigt, wir wollten es angesichts seiner Optik erst nicht glauben. Im dunklen Bergwerk fanden wir Erleuchtung. Das Getriebe ist auf Wunsch zweistufig, die Wattiefe beträgt bis zu 90, die Bodenfreiheit dank Luftfederung fast 30 Zentimeter. Das "Terrain Response System" ist feinfühlig wie nie. Hat der Fahrer dann doch Bammel vor einem böseren Offroad-Hindernis, meistert es die "All Terrain Progress Control" auf Wunsch sogar selbstständig. Der Fahrer muss dann nur noch lenken.

Und bringt damit seine Crew - bis zu sechs, mit ihm sieben Personen - allesamt gleich bequem untergebracht, sicher ans Ziel.

Beim Verlassen des Bergwerks müssen wir mit unserer Unterschrift bestätigen, dass wir - ja, was eigentlich? Wieder aus dem Berg draußen sind? "Das wird genau geprüft", sagt Herr Hirzi, der Chef hier. "Wenn sich im Berg jemand verirrt und sich nicht bemerkbar machen kann, wird es ganz schwierig für uns, ihn wieder zu finden". Meinen Gag - "Mist, wir hätten dem Franz doch nicht die Taschenlampe wegnehmen sollen" - findet er leider gar nicht lustig.

Keine Sorge - Franz war frei erfunden, im Unterschied zu Rudi.

Abschließend - ganz wichtig - ein paar Hard Facts zum neuen Land Rover Discovery: Erstmals wird ein Discovery mit werkseigenen Motoren angetrieben. Die Vierzylinder-"Ingenium"-Diesel mit wahlweise 180 oder 240 PS sind tolle Aggregate, in ihrer Leistungsfähigkeit nicht weit hinter dem ebenfalls verfügbaren Td6 mit 3 Litern Hubraum und 258 PS. Dazu wird auch ein 3-Liter-V6-Benziner mit Kompressor-Aufladung angeboten. Kraftüberträger ist bei allen Modellvarianten ein 8-Gang-Automatikgetriebe von ZF.

Der Preis: Mindestens 56.950 Euro. Die Topmodelle "HSE Luxury" und die "First Edition" kosten fast 100. Tausend. Euro. Trotzdem interessiert? Dann ist die info, dass der Discovery 5 in Österreich schon in den Schauräumen der Händler steht, durchaus bedeutsam.

Gilt es - abschließend, die Zweite - nur auch noch ein Klischee im Stile der österreichischen Journalisten-Riege zu finden. "Disco-Fever unter Tage"? Oops, das hatten wir schon an anderer Stelle. "Glück auf, Discovery"? Peinlich, eigentlich. "Die Entdeckung im Berg"?. Nein, ich gebe auf.

Viel wichtiger die überraschende Erkenntnis zum Tage - hier unter Tage, ganz inoffiziell-offiziell auch von Land-Rover-Offiziellen bestätigt: Der Disco 5 ist nicht nur deshalb so groß, weil er ein Offroad-Familien-Van sein soll. Sondern weil größenmäßig bewusst ein bissl Platz nach unten gelassen wurde. Um einem neuen-alten-klassischen-baldwiederauferstehenden Fahrzeug Raum zu lassen. Der wird dann wohl eher "Verteidiger" als "Entdeckung" heißen. Bei der Leistungsfähigkeit des Disco 5 dürfen wir gespannt sein, was da kommt, bei der vielen Luft nach unten.

Fotos: Hersteller / Alexander Seger
Text: GELAENDEWAGEN.AT / Michael Kubicek

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