Testberichte

Blick in den Himmel

Unterwegs im Range Rover Evoque Cabrio



Mai in Österreich - die beste Zeit und der wahrscheinlich beste Platz, ein Cabrio zu testen und zu genießen. Wenn's dann noch dazu ein SUV-Cabrio ist, kann eigentlich gar nichts mehr schief gehen. Das Range Rover Evoque Cabrio, angetestet.
25.05.2017
Es ist ja schon lustig: Da kaufen sich Leute Cabrios und bevor sie dann losfahren, setzen sie sich mehr oder weniger originelle Schirmkappen auf, binden sich dicke Schals um und setzen dunkle Sonnenbrillen auf. Manche tragen sogar groteske, angeblich eigens entwickelte "Cabriobrillen". Haben wir uns sagen lassen. Ganz so, als wäre es eine Strafe, im Auto kein Dach über dem Kopf zu haben und Wind und Wetter ausgesetzt zu sein.

Die Frisur hält...

Wir haben auf all diesen seltsamen Tand verzichtet. Schließlich kommt man als Geländewagen-Berichterstatter(in) viel zu selten in den Genuss, offen fahren zu dürfen. Also: Den Evoque geentert, das Dach elektrisch zurückgeklappt (das ist in nur etwas mehr als 20 Sekunden geschafft), alle vier Seitenscheiben heruntergelassen und: Ab auf die Autobahn. Gas, Spaß, ein völlig neues Erlebnis. Bis 80 km/h hält die Frisur erstaunlich gut, ab 100 stellen sich die ersten Giftschipperl auf, ab 130 ist im Innenraum die Hölle los. Da zerrt der Fahrtsturm an Gesicht und verbliebenem Haupthaar, dass man vor Freude jauchzen möchte.

Der große Vorteil bei hohen Geschwindigkeiten im Evoque Cabrio: Selbst starker Regen schafft es nicht in den Innenraum. Die Frontscheibe des Evoque bohrt sich wie ein Keil durch die Gischt und wirft das Wasser erst weit hinter dem Auto wieder zu Boden. Unter 80 km/h wird's dann langsam ein wenig feucht auf den schönen Lederbezügen des "Convertible" und den zerzausten Haaren. Unter 50 km/h lässt sich das Verdeck wieder in 20 Sekunden schließen, dann ist man wieder in seinem automobilen Kokon von allen Seiten geschützt.


Der praktische Nutzen von Cabrios versteckt sich ja zumeist recht erfolgreich hinter deren Spaßfaktor.

Beim ersten und noch immer einzigen SUV-Cabrio auf dem Markt hat dieses immerhin eine erstaunliche Geländefähigkeit zu Buche stehen. Wie bei der Stahldachversion ist das Terrain Response System inklusive dem famosen Gelände-Tempomaten "All Terrain Response Control" mit an Bord. Das erlaubt dem erlesenen Kreis der Evoque-Cabrio-Besitzer Abenteuer im Gelände, die den meisten Fahrern anderer SUVs für immer verwehrt bleiben werden.

Unter dem Titel Praxistauglichkeit darf auch die volle Viersitzigkeit des Evoque verbucht werden. Hier ruht man auch in der zweiten Reihe durchaus bequem, wenn auch deutlich mehr dem Wind und dem Wetter ausgeliefert als die Passagiere vorne.


Kleine Spaßbremse?

Speziell im Hinblick auf die geplante Urlaubsfahrt unter freiem Himmel darf der Kofferraum als kleine Spaßbremse bezeichnet werden. Im Praxistest - nicht auf der Fahrt nach Rimini, sondern leider nur am Billa-Parkplatz, stellte den ambitionierten SUV-Cabrio-Fahrer schon das Einladen von 3 lebensmittelgefüllten Papiersackerln plus drei Sixpacks vor unerwartete Herausforderungen. Denn die Supermarkt-Jagdbeute muss sich den Platz unter dem Verdeck auch noch mit dem in einem Kunststoffbeutel verpackten Windschott teilen.

Sonst bietet das Cabrio - speziell in der von uns angetesteten "HSE"-Topausstattung jede Menge Komfort und Luxus. Die unglaubliche Meridian-Soundanlage zum Beispiel. Das kuschelig-weiche Leder der Sitze. Oder das wunderbare Display, das als zentrale Kommandozentrale für sämtliche Entertainment-Funktionen des Autos dient. Das die Navi-Infos anzeigt, auch die aktuelle Befindlichkeit der Offroad-Helferlein. Oder beim Zurückschieben die Bilder der Rückfahrkamera überträgt, was angesichts der durchaus als eingeschränkt zu bezeichnenden Sicht nach hinten ernsthaft kein Fehler ist.

Die eingangs erwähnten Weicheier unter den Cabrio-Fahrern werden zwei Komfort-Features des Range Rover Evoque Cabrio besonders schätzen: Die fulminant flott das Hinterteil befeuernde Sitzheizung und die Lenkradheizung.


Fahrspaß, Fahrspaß...

Dazu bietet das Cabrio viel - ganz viel - Fahrspaß. Dank 180 (alternativ auch 150) Diesel-PS, formidabler ZF-Automatik und mehr als adäquatem Fahrwerk. Eine noch schärfere Optik als die Stahldachversion, sowohl offen als auch geschlossen. Fast enthusiastisch schauende Mit-Verkehrsteilnehmer. Den nur chiropraktisch heilbaren Blick der Daihatsu-Copen-Fahrerin an der Ampel - Kopf grotesk nach oben-links zum Fahrer des Evoque Cabrio verdreht - werden wir jedenfalls lange nicht vergessen.

Einen Evoque als Cabrio besitzen zu dürfen, kostet mindestens 57.000 Euro. Darf's das Topmodell HSE sein, können schnell rund 75.000 Euro zusammen kommen. Vier Logenplätze mit freiem Blick in den Himmel sind da schon inkludiert. Schirmkappe, Schal und Sonnenbrille allerdings nicht.

Fotos und Text: GELAENDEWAGEN.AT

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