SUVs + Offroader
Jaguar E-Pace
Katzen-Junge


Die Engländer erweitern die SUV-Baureihe um den kompakten E-Pace. Die dritte britische Interpretation des Themas Sports Utility Vehicle ist quasi der Fortpflanz von F-Type und F-Pace.
17.07.2017
Jaguar ist längst nicht mehr auf dem Sprung, sondern mittendrin. Vielleicht in diesem Sinne inszenierte die Katzenmarke die Premiere ihres jüngsten Streichs: Der E-Pace, die kompakte Fortsetzung der englischen SUV-Bewegung, absolvierte noch vor seinem Start nicht nur intensive Tests, sondern gleich einen Weitsprung samt schraubender Drehung. Mit diesem sogenannten Fassrollen-Stunt wurde der Neo-Jag ins Guinness-Buch der Rekorde katapultiert noch bevor er in der Serienversion auf dem Ausstellungsgelände in den Londoner Docks zum Anschauen, Angreifen und Probesitzen auf der Bühne stand. Ursprünglich hätte Jaguar den Zirkusakt live vorführen wollen. Aber das war sogar den Engländern zu schräg, um nicht zu sagen zu gefährlich.



Alles, außer gewöhnlich sein ist ja etwas, das jede Automarke sein will. Das ist alleine schon angesichts zulassungstechnischer Vorgaben zunehmend schwierig. Etwas leichter mag es für Nischenhersteller wie Jaguar sein. Aber gar nicht mehr so einfach ist es, wenn es darum geht, das Portfolio um eine Trend-Modellreihe zu erweitern. Das Thema Sports Utility Vehicle scheint noch längst nicht ausgereizt, und gerade in der Kompaktklasse verdichtet sich die Markenvielfalt mit atemberaubenden Tempo.

Daran kann auch Jaguar, in der Folge des F-Pace, nicht vorbei. Dass die Marke nicht zur Uniformität neigt, dafür hat sie im Herbst 2016 den Beweis in Gestalt des Elektro-Prototypen I-Pace geliefert (der in Graz gebaut wird und für 2018 angesagt ist). Es war demnach zu erwarten, dass die Interpretation des kleineren Bruders ebenfalls nicht bloß ein höher gelegter Fünftürer sein wird. Man will sich auch in diesem Segment nicht vom Ursprung als Sportwagenmarke lösen. Die Folge ist, dass der E-Pace von Chefdesigner Ian Callum genauso als Performance-SUV konzipiert wurde wie der Mittelklasse-Vertreter. Die Grundingredienzien - lange Schnauze, markante Seitenlinie, kräftige Schultern, markantes Heck - eignen auch dem Kompakten. Dazu ist der markiert durch Stilelemente des F-Type, des Sportlers in der Großkatzenfamilie. Von diesem hat er unter anderem die Augen, sprich die LED-Scheinwerferkontur geerbt. Ebenso den sportlich-kantigen Popo und das - optionale - Glas-Panoramadach. Das ergibt auf 4,395 Metern Länge eine sprungbereit geduckte Statur mit eigenständiger Präsenz bei 1,649 Metern Höhe und ab 1.700 Kilo Gewicht. Die Dynamik wird heckseitig unterstrichen durch die LED-Rückleuchten-Graphik: Sie zitiert eine Rennstreckenschikane.

Ein Stilelement, das sich im Cockpit fortsetzt, in Gestalt eines geschwungenen Armaturenbordrahmens, den Beifahrer auch als Haltegriff verstehen können. Auf einem Radstand von 2,681 Metern und einer Breite von 1,984 Metern (mit eingeklappten Außenspiegeln) ergibt sich ein geräumiger Innenraum für bis zu fünf Personen. In der ersten Reihe ist, Jaguar- typisch, der - sportlich mit festem Seitenhalt offerierendem Gestühl -ausgestattete Piloten- vom Beifahrerplatz separiert. Dafür offeriert in der breiten Mittelkonsole ein variables Fach viel Platz für allerlei Kleinkram, unter anderem auch einen sicheren Verstauplatz für Smartphone und Tabletcomputer. Die Reihe zwei offeriert klassengemäß kommoden Wohnraum oder, wenn die Lehnen gefaltet sind, eine Laderaum-Erweiterung von 557 auf 1234 Liter Stauvolumen.

Darüber hinaus stecken im E-Pace eine Reihe von Premieren. Abgesehen von der Option auf ein neues Head Up-Display (in TFT-Technik) ist er der erste Jaguar, der ausschließlich mit hauseigenen Motoren bestückt ist. Es handelt sich um die Ingenium-Baureihe (Zweiliter-Vierzylinder-Turbos), die Schritt für Schritt in die Jaguar Land Rover-Modellpaletten einzieht. Für den kleinen Pace stehen für den Diesel die Leistungsstufen 150, 180 und 240 PS zur Auswahl, wobei die ersteren beiden mit manueller Sechsgangschaltung zusammengespannt werden können. Der Top-Selbstzünder und die Benzinerversionen mit 249 oder 300 PS sind mit Neungang-Automatik kombiniert. Nur der kleinste Diesel ist ein Fronttriebler (technisch basiert der F-Pace auf dem Range Rover Evoque und dem Land Rover Discovery Sport), alle anderen sind serienmäßig mit Allradantrieb ausgerüstet (Torque on Demand).

Der stärkste Diesel sowie der Benziner haben das aktiv agierende 4x4-System ("Active Driveline", in Verbindung mit 21-Zoll-Rädern, ein Novum im Segment) an Bord. Das kann unter anderem Heckantriebscharakteristik darstellen, ist aber - je nach Fahrmodus - auch auf ernsthaftere Geländetüchtigkeit ausgelegt. Die mögliche Wattiefe liegt immerhin bei einem halben Meter.

Zum mechanischen Unterbau addierte Jaguar Zeitgemäßes in Form von Elektronik. Serienmäßig ist das Basis-Infotainment-System mit 10"-Display. Inkludiert sind mindestens fünf USB-Anschlüsse. Erweitert kann werden mit einem konfigurierbaren 12,3"-TFT-Screen statt der Standard-Instrumentierung. Internet kann man an Bord haben. Groß ist das Angebot an Fahrassistenten vom adaptiven Abstandsregeltempomat bis zu Spurhalte- und Anhängerrangier-Helfer. Als Optionen offerieren die Engländer nebst weiterem LED-Matrixlicht und Activity Key.

Bei aller Modernität hat sich Ian Callum eines nicht ganz nehmen lassen: Drehregler. Sie regulieren das Inneraumklima. Und: Es gibt einen echten Schalthebel.

Dazu ein Nachsatz zu "alles, außer gewöhnlich": Bei aller Ernsthaftigkeit bleibt Raum für Verspieltheit, einmal abgesehen von der eingangs zitierten Fassrolle. Ausdruck dessen ist ein Graphik- und Licht-Detail, das den Terminus "Baby-Jag" ersetzt (denn der ist durch den mittlerweile verflossenen X-Type besetzt). Die Designabteilung griff zum Zeichenstift und kreierte die Silhouetten einer erwachsenen, sich anpirschenden und einer kleinen verspielt dahinter nachtänzelnden Raubkatze. Dieses Motiv findet sich am unteren beifahrerseitigen Rand der Windschutzscheibe und als Leuchtsignatur des Coming Home-Lichts.

Dem ist noch hinzuzufügen, dass der E-Pace als erster Jaguar nicht auf den britischen Inseln gebaut wird. Er wird in Graz, bei Magna Steyr, hergestellt. China wird später auch von Joint Venture-Partner Chery Jaguar Land Rover aus versorgt werden.

Die Katzen-Jungen sind ab sofort bestellbar. Anschauen wird man sie können auf der Vienna Autoshow, von 11. bis 14. Jänner. Ab 15. Jänner sind sie bei den Händlern.


Fotos + Video: Hersteller
Text: GELAENDEWAGEN.AT /Beatrix Keckeis-Hiller

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