Zubehör / Tuning / Umbauten

Test: BF Goodrich Mud Terrain

Einer der bekanntesten Offroad-Reifen im Langzeittest

Zweieinhalb Jahre lang sind wir den BF Goodrich Mud Terrain jetzt gefahren - ein Fazit nach rund 30.000 Kilometern off- und onroad.
22.02.2016
Wenn Offroad-Fahrer über gute Geländereifen fachsimpeln, dauert es nicht lange, bis von BF Goodrich gesprochen wird. Der amerikanische Hersteller produziert mit dem "Mud Terrain T/A MK2" den vielleicht bekanntesten Offroadreifen.

Vier querliegende, etwas versetzt zueinander angeordnete, massive Profilblöcke, dazu eine Profiltiefe von rund eineinhalb Zentimeter: Schon die Optik verrät, dass der BF Goodrich MT fürs schwere Gelände entwickelt wurde. Das grobe Profil ist bis in die Flanken gezogen, Karkasse und Seitenwände sind gegenüber herkömmlichen Geländereifen deutlich verstärkt.

Mit den Reifen haben wir unseren Redaktions-Hilux bestückt - fehlende Elektronik und Traktionskontrollen machen ihn zu einem guten Testfahrzeug - damit kann man die Performance von Reifen unverfälscht von Regelsystemen "erfahren". Wir haben die Größe 225/75R16 aufgezogen - in den Augen vieler Hardcore-Offroader zu klein, aber dafür problemlos typisierbar.


Offroad

Bei Trial-Veranstaltungen, Fahrten durch die "Hellsklamm", auf Schotter in Kroatien, zwei Mal bei der ONE-Trophy in Rumänien - wir haben den BFGs nichts. geschenkt. Im schweren Gelände spielen sie, no na, ihr ganzes Können aus. Im Schlamm sind sie fantastisch und sorgen für erstaunlichen Vortrieb, auch im Vergleich zu Extremreifen. Ist der Modder nicht zu zäh, ist auch die Selbstreinigungsfähigkeit durchaus gut. Nach dem Schlammloch einmal kräftiger aufs Gas gestiegen und die Profile sind wieder sauber.

Als äußerst widerstandsfähig haben sich die Reifen auch auf Schotter, Steinen und Felsen erwiesen. Bis heute haben wir keinen Verletzung des Profiles gefunden - ob dies an der Härte des Reifens oder auch ein wenig an unserem Glück liegt, sei aber dahingestellt.

Auf Sand wäre dem MT wohl der etwas feiner profilierte AT vorzuziehen. Hier schaufeln die Profilblöcke doch sehr stark, die Reifen graben sich tiefer ein. Generell kann aber wie auch bei Schlammfahrten (besser noch: davor ;-) der Luftdruck auf Sand deutlich abgesenkt werden, um die Traktion noch einmal zu erhöhen.

Bis zu 1,3 Bar haben wir uns getraut, darunter war uns die Gefahr, dass sich ein Reifen von der Felge wälzt, zu hoch. Es ist schwerstens zu empfehlen, den Luftdruck auf der Straße dann schnellstmöglich wieder zu erhöhen oder Überbrückungsetappen auf Asphalt bis zur nächsten Befüllmöglichkeit tunlichst vorsichtig anzugehen. Mit geringem Luftdruck haben sich unsere Reifen mit dem hohen 75er-Querschnitt onroad durchaus abenteuerlich verhalten.


Onroad

80 Prozent offroad, 20 Prozent onroad - so beschreibt BF Goodrich den Einsatzzweck des MT. Und man muss ehrlich sein: Wer nicht annähernd auf dieses Nutzungsverhältnis kommt, sollte sich die Anschaffung eines MT-Reifens ernsthaft überlegen.

Denn die Offroad-Traktionsfähigkeit wird mit einer gegenüber sanfter profilierten Reifen deutlich schlechteren Straßentauglichkeit erkauft. Das Abrollgeräusch ist nicht unangenehm, weil recht sonor, aber doch deutlich höher als bei einem Straßenreifen. Dazu ist ein doch deutlich erhöhter Spritverbrauch einzukalkulieren - gegenüber unseren Winterreifen fast 1,5 Liter auf 100 Kilometer.

Das Hauptargument gegen MTs und speziell der BFG MTs auf Straßen ist aber das sehr schlechte Verhalten auf nasser Fahrbahn. Hier bieten MTs in Kurven kaum Seitenführung, mit unserem heckgetriebenen Hilux ohne viel Gewicht an der Hinterachse können Kurven schon ab 30 km/h zum Abenteuer werden. Und dass der BF Goodrich MT auch über eine "M+S"-Kennung verfügt und damit bei den Behörden als Winterreifen durchgeht, ist einzig dem uralten Referenzreifen, der als Vergleichsbasis bei der Prüfung zur Anwendung kommt, zu verdanken. In der Realität ist der Goodrich auf schneebedeckten oder eisigen Straßen heillos überfordert. Dem Argument, dass er "bei Tiefschnee durchaus gut sei", sei entgegen gehalten, dass Tiefschnee auf heimischen Straßen äußerst selten anzufinden ist.

Auch bei modernen Allradfahrzeugen sind MTs weitgehend fehl am Platz. Die modernen Regelsysteme von Autos könnten damit überfordert sein. Häufig passt auch der "Speed Index", also die höchstzulässige Geschwindigkeit des Reifens, nicht mit der Bauartgeschwindigkeit des Fahrzeuges zusammen.


Haltbarkeit

Nach zweieinhalb Jahren und rund 30.000 Kilometern - davon rund die Hälfte offroad - haben wir rund 40 Prozent des Profiles abgearbeitet. Der Leistungsfähigkeit im Gelände schadet dies überraschenderweise nur wenig. Die Reifen sind aber auch merkbar härter geworden, was ihre Performance auf der Straße weiter senkt. Der Vorteil des Aushärtens ist wiederum, dass der MT im Gelände praktisch ewig gefahren werden kann.


Fazit

Der BF Goodrich ist ein fantastischer Offroad-Reifen für konventionelle Geländewagen. Die Leistungsfähigkeit abseits befestigter Straßen erkauft man sich aber mit deutlich eingeschränkter Straßentauglichkeit - doch das wird der Zielgruppe weitgehend egal sein. Von der Langzeit-Haltbarkeit sind wir nur bedingt überzeugt.


Wir bedanken uns für die Unterstützung bei:
Tirendo - der Reifenspezialist (www.tirendo.at)
Hellsklamm - die Outdoor Event Location (www.hellsklamm.com)
Peter Schuster (www.4x4service.at)



Den BF Goodrich Mud Terrain T/A MK2 gibt es in den Größen:
30/9.5 R15
31/10.5 R15
32/11.5 R15
35/12.5 R15
37/12.5 R17
215/75 R15
225/75 R16
235/70 R16
235/75 R15
235/85 R16
245/70 R17
245/75 R16
255/70 R16
255/85 R16
265/70 R17
265/75 R16
285/75 R16
305/70 R16


Fotos: gelaendewagen.at
Text: gelaendewagen.at

Suche


Werbung



(c) gelaendewagen.at