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Pickup-Avantgarde: Der Mitsubishi L200
Der optisch ungewöhnlichste und seit kurzem auch wieder leistungsstärkste Japan-Pickup im Test ...
05.04.2009
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Das Video vom Test

Mit dem Mitsubishi L200 schließen wir unser aktuelles Pickup-Testival ab - mit jenem Fahrzeug, das sich im vergangenen Jahr in Österreich am besten von allen Pritschenlastern verkauft hat: 649 Stück davon wurden erstmalig zum Verkehr zugelassen - das entspricht einem Marktanteil von rund 25 Prozent - ein mehr als beachtliches Ergebnis. Wir haben in unserem Test nachgeforscht, was den Erfolg des L200 vulgo "Pajero Pickup" ausmacht.

Das Wichtigste gleich vorab: Wir sind mit dem weinroten L200 das erste in Österreich verfügbare
Fahrzeug mit dem erneut verbesserten Diesel-Motor gefahren. Im aktuellen Wettrüsten um den stärksten Selbstzünder in einem Japan-Pickup hat - zumindest vorläufig - nun wieder Mitsubishi die
Nase vorn. Der 4D56-Motor bringt in Standard-Konfiguration zwar "nur" 136 PS bzw. ein maximales Drehmoment von 314 Nm, mit der von Rallitronic aufgepimptem Steuerelektronik leistet er seit kurzem stolze 178 PS bei 400 Newtonmetern Drehmoment. Diese "High Power"-Variante ist dem Topmodell Intense in Kombination mit dem "Österreich-Paket" vorbehalten.

Erster Eindruck: Der Sound des Motors. Wir lieben ja bekanntlich Autos mit brummigen, grollenden Aggregaten. Nein, nicht Macho-Geräte, die ihre Akustik nur selbstgedengelten Auspuff-Edelstahlteilen und fehlenden Schalldämpfern zu verdanken haben. Sondern Fahrzeuge, die schon ab Werk mit einer sauber-sonoren Geräuschkulisse ausgeliefert werden und uns so ein wenig von automobiler Potenz erzählen. Dabei aber dennoch - zumindest - einen Hauch von Klasse hören lassen. In dieser Disziplin kann der L200-Motor die volle Punkteanzahl einfahren. In Kombination mit dem guten 5-Gang-Schaltgetriebe (ein 6. Gang geht einem nur selten ab) sorgt er auch für Fahrleistungen, die eines Pickups mehr als nur würdig sind.

Einen Nachteil hat der Mitsubishi aber gegenüber seinen leistungsmäßig fast gleich starken Konkurrenten: Während deren Motoren ihre Kraft aus 3 Liter großen Brennräumen beziehen, muss der L200 mit einem Zweieinhalbliter auskommen. Und so perfekt ein solches Aggregat auch gebaut sein mag und so optimal auch die Elektronik dessen Potenzial auszuschöpfen vermag: Hubraum kann durch nichts ersetzt werden. Speziell wenn es um die Kraft aus dem Drehzahlkeller geht. Dort nämlich liegt die Schwäche des L200, dort klafft ein - angesichts der nominellen Macht überraschend großes - Turboloch. Um als Fahrer nicht hineinzufallen, heißt es, Drehzahl zu bewahren - sprich lieber einen Gang zu niedrig als einen zu hoch zu wählen.

Aber - das ist ein verzeihliches Manko, bewegt man einen Wagen wie den "Pajero Pickup" doch primär gemütlich bis mäßig-sportlich. Auch wenn die Front den Hardcore-Geräten der Rallye Dakar nachempfunden wurde, kann wohl jeder halbwegs vernunftbegabte Führerscheinbesitzer die bekannte Nachdenksekunde des Ölbrenners nach einem Kickdown tolerieren. So eilig hat es ja wirklich kaum ein Pickup-Fahrer... Bei Standardgeschwindigkeiten und beim Mitschwimmen im Verkehr hat der Wagen ja sowieso mehr als ausreichend Power. Und da sorgt das wunderbar abgestimmte Fahrwerk auch in jeder Situation für den entsprechenden Komfort für die Wirbelsäulen der Mitfahrer.

Wenn wir in unserer Überschrift von "Pickup-Avantgarde" sprechen - bezieht sich das - no,na - primär auf die Optik des L200, die sich recht dramatisch vom Mitbewerb absetzt. War man bei japanischen Pickups immer eher schnörkellose, geradlinige und -flächige Standardkonfektion gewöhnt, löste das mutige Design des neuen Mitsubishi L200 im Jahr 2006 eine kleine Revolution aus, potenzielle Käufer spalteten sich urplötzlich in zwei Lager: In das begeisterte, das die Designrevolution euphorisch beklatschte - und das - sagen wir 'mal - "skeptische" Lager, das den ungewohnten Rundungen an der Front, dem im Stil einer historischen Kutsche abgerundeten Abschluss der Kabine und der völlig untypischerweise nach hinten abfallenden Oberkante der Ladefläche nur wenig abgewinnen konnte.

Aus der neutralen Distanz, aus der wir aktuelle Mitsubishi-Modelle immer betrachten, notierten wir sogar Kritiker, die dem Pajero Pickup angesichts dieser Optik auch offroadmäßige Verweichlichung andichten wollten. Herrschaften - schwerer Fehler, können wir da nur sagen. Weil der L200 in diesem Bereich die viel zitierten Gene des klassischen Pajero in sich trägt. Heißt: "Super Select" Allradantrieb mit Mitteldifferenzialsperre und schön kurzer Untersetzung. Dazu eine immer noch erstaunlich vernünftige Achsverschränkung, eine gute Bodenfreiheit und eine halbwegs übersichtliche Karosserie. Damit kommt man im Gelände weiter, als sich die meisten Besitzer jemals wagen würden. Dass der "Super Select" als "permanenter Allradantrieb" verkauft wird, stimmt so natürlich nicht ganz - selbst echte Geländewagenprofis wurden da hübsch verwirrt: Weil man den L200 im Normalmodus in "2H" fährt, sprich: Ausschließlich über die Hinterachse angetrieben. Zur Aktivierung des Allradantriebes - und das ist der Unterschied zu wirklich "permanenten" Allradsystemen, muss es einen Benutzer- sprich Fahrerbefehl geben. Via zweitem Schalthebel. Damit bringt man nämlich erst die Vorderachse dazu, auch etwas für den Vortrieb zu tun. Dafür kann man dann "permanent" mit eingelegtem Allradantrieb, auch auf trockener Straße, unterwegs sein - weil wegen des offenen Mitteldifferenzials keine Verspannungen am Antriebsstrang auftreten.

Besagter Hebel kann aber noch viel mehr  - und das unterscheidet die Mitsubishi-Antriebstechnik wiederum wohltuend von den Ansätzen der SUV-Konkurrenz: Nämlich das Zentraldifferenzial sperren und damit für eine gleichmäßige Verteilung des Antriebsmomentes zwischen den beiden Achsen sorgen. Und auch die Untersetzung wird damit eingelegt, die den L200 erst zur echten Geländegämse werden lässt.

Ein paar kleine, unbedeutende Feldversuche betreffend der Offroad-Fähigkeiten des L200 haben wir übrigens in unserem Testvideo für die Nachwelt konserviert.

Was wir schon bei den anderen Pickup-Testberichten erwähnt haben: Aktuelle Pritschenlaster haben die akute Tendenz, immer größer und mächtiger zu werden. Was, nebenbei bemerkt, auf dem heimischen Markt letztlich auch ihrem Erfolg die letzte Durchschlagskraft nehmen dürfte. Ein L200 wirkt nämlich wegen seiner "Designsprache" einzig auf Fotos eher schlank und zierlich. In Wirklichkeit ist diese Kiste von einem Auto stolze 5,07 Meter lang und erfordert so bei engen Parklücken und -garagen ein zumindest halbwegs routiniertes Händchen. Dass bei der schieren Länge des Wagens gerade einmal 1,32 Meter für die Ladefläche übrig bleiben, ist dagegen ein wenig enttäuschend. Den Traum, nach getanem bzw. überlebtem Workout das Mountainbike locker/flockig auf die Ladefläche zu werfen und den L200 ebenso lässig nach Hause zu steuern - spielt's so nämlich nicht. Ein mittelgroßes Erwachsenen-Fahrrad, egal ob Mountain- oder Citybike, passt nur quer drauf. 2 Fahrräder mitgenommen heißt entweder böse Lack mordend übereinander gelegt oder: Vorderräder abmontiert, nur so lassen sich die Geräte parallel zur Fahrrichtung unterbringen. Wir wollen damit keinen Mythos entweihen, aber es sollte generell mal gesagt sein, dass keiner der bekannten asiatischen Pickups optimal für z.B. eben den Fahrradtransport geeignet ist.

Der Innenraum. Die gute Nachricht: Im Topmodell ist nun auch eine Lederausstattung orderbar - zu einem überaus vernünftigen Preisplus von 1.500 Euro. Auf das Premiumpaket mussten wir in unserem Testfahrzeug verzichten, über den Innenraum gab's allerdings dennoch keien Grund zur Klage. Sauber ausgeformte Sitze, ausreichend Platz für 5 Passagiere, als durchaus nicht selbstverständliches "Serienextra" 3 Stück 3-Punktgurte in der 2. Sitzreihe. Dazu ein angenehmes, heimeliges Ambiente, das auf sportlich getrimmt ist und auf plüschige Separee-Optik zur Gänze verzichtet. Das Armaturenbrett ist streng-modern gebaut, es gefallen die mystisch-blau unterleuchteten Anzeigen für Tempo und Drehzahl. Die Bedienung gibt kaum ein Rätsel auf, man setzt sich hinein und fährt los - während der Fahrt findet man auch wirklich alle Bedienelemente an jenem Platz, an dem man sie vermutet. Wie im Pajero überrascht die Sitzposition hoch über den Armaturen und das vergleichsweise tief angebrachte, dafür aber futuristisch angehauchte Lenkrad - mit dem sich übrigens erstaunliche viereinhalb Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag bewerkstelligen lassen (dies auch als Nachtrag zu den Themen Fahrdynamik und Ein- bzw. Ausparken).

Wofür wir den Mitsubishi L200 letztlich lieben? Für seinen guten Motor, der akustisch ein wenig die Dakar-Tradition des Konzerns hochleben lässt. Für den Mut der Designer, mit einem Pickup optisch ganz neue Wege zu gehen. Für sein gutes Preis-Leistungsverhältnis. Dafür, dass sich der klassische PKW-Fahrer darin ebenso rasch zurecht findet wie der Pickup- und/oder Geländewagen-Profi. Dass er den Spagat zwischen Straßen- und Offroad-Performance erstaunlich gut meistert.

649 Österreicher und stolze, frischgebackene L200-Besitzer im vergangenen Jahr können ja schließlich nicht irren.


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Mitsubishi L200

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Mitsubishi L200
Text, Fotos und Video: gelaendewagen.at
 

Mitsubishi L200 "Pajero Pickup" Intense High Power mit Österreich-Paket


Motor:
4-Zylinder Dieselmotor, Common Rail Einspritzung, 16 Ventile, Turbolader und Intercooler, 178 PS, 400 Nm bei 2.000 U/min

Getriebe:
5-Gang-Schaltgetriebe

Verbrauch: noch keine Angaben
CO2-Emissionen: noch keine Angaben

Länge/Breite/Höhe: 5.075/1.800/1.780 mm
Leergewicht:
1.890 kg
zul. Anhängelasten:
2.700 / 750 kg (gebremst/ungebremst) 

Ladefläche (Länge/Breite): 1.325 / 1.470 mm (zwischen den Radkästen 1.080 mm)

Allrad/Gelände: "Super Select" Allradantrieb. Im Normalbetrieb Antrieb auf die Hinterräder. Vorderräder zuschaltbar bis 100 km/h. Separat sperrbares Mitteldifferenzial, Untersetzung.

Basisausstattung /Auszug):
Servo, "Easy Select"-Allrad, 16" Stahlfelgen, Nebelschlussleuchte, Wegfahrsperre, Fahrer- und Beifahrerairbag, ABS mit EBD, elektr. Fensterheber, Dieselmotor mit 136 PS

Mehrausstattung des Modells
"Invite High Power":
Leistungsgesteigerter Motor auf 178 PS wie oben beschrieben, Super Select w.o. beschrieben, Stabilitäts- und Traktionskontrolle, 17"-Alufelgen, Heckstoßstange mit integrierten Nebelschlussleuchten, ISOFIX, Kindertürensicherung, Autom. Klimaanlage, versenkbare Heckscheibe, Heizausläse hginten, höhenverstellbarer Fahrersitz, Lederlenkrad und -schaltknopf, 3x 3-Punkt-Sicherheitsgurte hinten, Mittelarmstütze, Multifunktionsdisplay mit KOmpass und Höhenmesser, CD/MP3-Radio mit 6 Lautsprechern, Stoßstange hinten in Wagenfarbe, seitliche Trittbretter, verchromte Außenspiegel, Titandekor im Cockpit

Preis des Testwagens: € 32.990,--
inkl. Steuern

Doppelkabine Basismodell ab € 27.490,--

Premiumpaket (inkl. Leder, Privacy Glass, Tempomat, Seiten- und Kopfairbags) € 1.500,--
 

 
Mitsubishi L200
 
Mitsubishi L200
 

gelaendewagen.at Test Nr. 73





 
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