111 Jahre Diesel
Ein Bericht über die Geschichte des Dieselmotors ist automatisch auch eine Hommage an eine Person: Rudolf Diesel: Ingenieur, Erfinder, Pionier im Motorenbau 
06.12.2003
1892: Die zündende Idee
Rudolf Diesel erhält das Patent für den „Motor mit Kompressionszündung“ – die Geburtsstunde des Dieselmotors. Ein Jahr später realisiert der Ingenieur sein erstes Ziel: einen lauffähigen Selbstzündermotor, bei dem der hoch komprimierte Kraftstoff mittels Einblaskompressor in den Brennraum gelangt. Doch der extrem voluminöse Motor eignet sich nur für stationäre Anwendungen und als Schiffsantrieb. Noch in seinem Todesjahr 1913 schreibt Diesel, „dass der Automobilmotor kommen wird, und dann betrachte ich meine Lebensaufgabe als beendet.“

1909: Die technische Basis
Der in Mannheim bei Benz & Cie. arbeitende Ingenieur Prosper L’Orange widmet sich mit Leidenschaft Rudolf Diesels Traum: Schnelllaufende, kompaktere Dieselmotoren, die sich als Fahrzeugantrieb eignen. L’Orange konzipiert 1909 die Vorkammereinspritzung und lässt sich das Verfahren des Vorkammerdiesels patentieren. In den folgenden Jahren schafft L’Orange mit drei weiteren Erfindungen – der Trichter-Vorkammer, der Nadel-Einspritzdüse und der regelbaren Einspritzpumpe – die Grundlage für die ersten Fahrzeugdieselmotoren, die zwischen 1919 und 1921 bei Benz & Cie. in Mannheim entstehen.

1923: Der erste Diesel-Lkw
In Mannheim entsteht bei Benz mit dem Typ 5K3 der erste dieselgetriebene Lkw der Welt. Der Fünftonner verfügt über einen Vierzylinder-Vorkammerdiesel mit 8,8 Liter Hubraum. Seine Leistung: 45 bis 50 PS bei 1000 Umdrehungen pro Minute. Praktisch zeitgleich kontert die Konkurrenz: In Berlin-Marienfelde entwickeln die Ingenieure der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) einen fast gleich starken Lufteinblasediesel für einen Lkw, und die Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg (MAN) präsentiert einen Fahrzeugdieselmotor mit direkter Kraftstoffeinspritzung. Damit streiten drei Dieselkonzepte um den automobilen Einsatz.

1936: Premiere im Pkw
Nach der Fusion von Benz & Cie. mit der DMG zur Daimler-Benz AG im Jahr 1926 gewinnt das zukunftsträchtigere Vorkammerprinzip die Oberhand, und das Unternehmen stellt 1936 mit dem Mercedes-Benz Typ 260 D den ersten serienmäßigen Diesel-Pkw vor. Ausgestattet ist der Vierzylinder-Motor mit einer Bosch-Einspritzpumpe, die höhere Drehzahlen und eine schnellere Kraftstoffversorgung ermöglicht. Der Motor des 260 D liefert 45 PS bei 3200 Umdrehungen pro Minute. Der Wagen wird zum Liebling aller Taxifahrer; er benötigt nur neun Liter Diesel pro 100 Kilometer; der gleich starke Benzinmotor schluckt vier Liter Kraftstoff mehr. Vorkammerdieselmotoren behaupten sich jahrzehntelang als Nutzfahrzeugantriebe. Ab den 1960er-Jahren erwächst ihnen zunehmend Konkurrenz vom direkteinspritzenden Dieselmotor.

1978: Auf Weltrekordkurs
Auf dem gut zwölf Kilometer langen Rundkurs von Nardo in Süditalien zeigt das dieselgetriebene Forschungsfahrzeug C111-III von Mercedes-Benz aller Welt, was in einem Diesel steckt: Am 30. April 1978 purzeln insgesamt neun absolute Geschwindigkeitsrekorde (unabhängig von Motortyp und Hubraum). Die Durchschnittsgeschwindigkeit des Rekordwagens über zwölf Stunden hinweg beträgt 315 km/h. Ebenfalls rekordverdächtig ist der niedrige Verbrauch: knapp 16 Liter pro 100 Kilometer. Das selbstzündende Herz im C111-III ist ein weitgehend der Serie entsprechender 3-Liter-Dieselmotor, dessen Leistung dank Abgasturbolader und Ladeluftkühlung auf 230 PS anwächst. Das Drehmoment des Renndiesels: 402 Newtonmeter. 

1997: Unter Hochdruck
Gemeinsam entwickeln Bosch und Daimler-Benz die Common-Rail-Einspritzung (CDI für „Common-Rail Direct Injection“) für Dieselmotoren. In einer gemeinsamen Leitung wird der Kraftstoff permanent unter Hochdruck von bis zu 1350 bar durch die variabel und exakt steuerbaren Einspritzdüsen gepresst. Die Vorteile: mehr Leistung bei geringerem Kraftstoffverbrauch, minimalen Emissionen und einer weiter gesenkten Geräuschentwicklung.

2003: Reif fürs 21. Jahrhundert
Sparsamkeit, Komfort, Leistungsstärke und ein günstiges Emissionsverhalten – mit diesen Eigenschaften empfehlen sich heutige Dieselmotoren als zukunftsfähige Fahrzeugantriebe: Zum Beispiel der 0,8-Liter-Dreizylindermotor im smart-Diesel macht den kleinen Stadtflitzer zu einem echten Dreiliter-Auto. 4-, 6-, 8- oder vereinzelt sogar 10-Zylinder-Diesel-Motoren entwickeln - auch und speziell in Geländewagen - Leistungen, die Rudolf Diesel vor 100 Jahren wohl in seinen kühnsten Träumen nicht vorausahnen konnte. 
 

Hommage an einen Pionier: Rudolf Diesel
 
1923: Der erste Diesel-LKW
 
1936: Der erste Diesel in einem PKW:
2,6 Liter Hubraum, 4 Zylinder, 45 PS
 
Moderner Common-Rail-Dieselmotor
 
Fotos: Daimler Chrysler





 
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